Orakel und Tarot
Beim Tarot gibt es die These, dass es in seinen Ursprüngen auf die Alten Ägypter zurückgeht, die angeblich ihr Wissen der Esoterik hinter bedeutungsvollen Bildern zu verbergen versuchten. Einst sollten der Legende nach im Tempel von Memphis diese mysteriösen Kenntnisse in Form von 22 Gemälden zusammengefasst worden sein, wobei eine ganz besondere Bildsprache benutzt wurde.
Das Tarot besteht aus 78 Karten. Die ersten 22 werden als „Große Arkana“, die übrigen 56 als „Kleine Arkana“ bezeichnet. Die kleinen Arkana werden in Stäbe, Münzen, Schwerter und Kelche unterteilt und von 1 bis 10 nummeriert. Die sogenannten Hofkarten (König, Königin, Ritter und Knappe) gelten am meisten.
Das Tarot- Spiel ist das Ergebnis uralten Wissens und die Bilder und Symbole darauf sprechen gezielt die Sprache des Unbewussten an. Vordergründig bieten die Tarotkarten sichtbare Informationen, hintergründig lösen sie beim Betrachter aber im Unbewussten abgespeicherte Energien aus und befähigen so zu Zukunft Vorhersagen in derspirituellen Lebensberatung.
Die Geschichte des Tarot
verfaßt von unserer Tarotexpertin und Beraterin Carina
Die Geschichte des Tarot beginnt etwa um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Mailänder Familie Visconti ließ von dem Künstler Bonifacio ein Tarotspiel herstellen, das aus 56 Karten, aufgeteilt in 4 Farbensätze und zusätzlich 22 Trumpfkarten bestand. Dies ist das erste uns heute bekannte Tarotspiel.
Die 4 Farbensätze sind die Vorläufer unserer normalen heutigen Spielkarten:
Stäbe: Kreuz , Schwerter: Pik, Kelche: Herz, Münzen: Karo (Diese Zuordnungen werden von manchen Autoren jedoch auch anders vorgenommen.)
Die 22 Trümpfe allerdings gaben vielerlei Anlass zu Spekulationen. Sie hatten noch keine Nummern und Titel und könnten auch einfach Abbildungen der mittelalterlichen Zeitgenossen wie Kaiser, Kaiserin, Papst usw. gewesen sein. Andere zeigen charakterliche Tugenden wie Kraft und Mäßigkeit und wieder andere beschäftigen sich mit mythologischen oder religiösen Szenen wie der Auferstehung der Toten oder dem Rad des Lebens.
Aus welcher Tradition diese Kartenbilder stammen, ist heute nicht mehr eindeutig festzustellen. Manche ordnen sie den Zigeunern zu, die sie aus dem Osten nach Europa gebracht haben sollen. Einen sicheren geschichtlichen Beleg für diese Aussage gibt es jedoch nicht. Ebenso unklar ist die Herkunft des französischen Wortes Tarot, das im Italienischen „Tarocchi“, im Deutschen „Tarock“ heißt.
Die Tarocchi, wie sie im Italienischen heißen, wurden lange Zeit vorrangig als Spiel angesehen und erst in zweiter Linie als Mittel zur Weissagung mittels Kartenlegen. Etliche Male im Lauf der Jahrhunderte wurden sie verboten (erste Urkunden darüber gibt es aus dem 15. Jahrhundert). Wobei heute nicht mehr zu klären ist, ob dies zur Unterdrückung des Geheimwissens geschah oder ob einfach zu viele Haus und Hof verspielt hatten.
Das damals bekannteste Tarotspiel war ein Deck, das dem heutigen Tarot de Marseille sehr ähnlich war.
1760 erschien der Tarot de Marseille wie wir ihn heute kennen, damals hergestellt in der Kartenmanufaktur von Nicolas Conver aus Marseille.
In esoterischen Gruppen wurde der Tarot erstmal im 18 Jahrhundert verwendet; jedoch weniger als „Orakel“, sondern mehr, um mit Hilfe der zahlreichen mytischen und religiösen Symbole etwas über sich selbst zu erfahren.
Erst 1910 gab es den entscheidenden neuen Impuls, und zwar von Arthur Edward Waite, einem Amerikaner, der in England lebte. Er war Mitglied und zeitweise Leiter eines magischen Zirkels, des damals einflussreichen „Order of the Golden Dawn“ (Orden der Goldenen Morgenröte). Waite verfügte über ein großes magisches und esoterisches Wissen und entwarf ein neues Tarot. Die Bilder zeichnete ein Ordensmitglied, die Künstlerin Pamela Colman-Smith. Bekannt wurde es unter dem Namen der Verleger Rider und des Autors Waite als das Rider-Waite-Tarot. Das Rider-Waite-Tarot wurde sehr erfolgreich und ist noch heute sehr beliebt. Der Grund dafür war eine entscheidene Veränderung: In allen früheren Tarotdecks waren nur die 22 Karten der Großen Arkana, die 16 Hofkarten und manchmal die 4 Asse bildhaft illustriert. Auf den übrigen Karten war lediglich die Anzahl der Symbole zu sehen, die dem Wert der jeweiligen Karte entsprach. Pamela Colman-Smith erzählte nun auch auf den Kleinen Arkana eine Geschichte, die zur (Be)Deutung der einzelnen Karte führte.
1944 entwarf Aleister Crowley seinen noch heute bekannten Toth-Tarot. Auch hier üernahm eine Frau die Illustration der Karten: Lady Frieda Harris. Aleister Crowley, wie Arthur E. Waite ein Mitglied des Golden Dawn, stand zeitweise in dem Ruf, ein Schwarzmagier zu sein. Deshalb ist besonders der Toth-Tarot bis heute umstritten; viele sind von ihm fasziniert, für manche Tarot-Interessierte ist die Beschäftigung Crowleys mit der Schwarzmagie aber auch ein Grund, gerade das Deck von Aleister Crowley nicht zu befragen.
Bis in die heutige Zeit entstehen immer wieder neue Tarot-Decks, die mit unterschiedlichen, klassisch anmutenden oder modern gestalteten Illustrationen Anregung zur Interpretation geben; sei es nun zur Selbsterfahrung, zur Entscheidungsfindung oder zum Blick in die Zukunft.